Häufig gestellte Fragen zum Bürgerbegehren “Rettet den Schulwald”

Richtet sich das Bürgerbegehren gegen eine neue Schwimm- und Sporthalle?

NEIN. Initiatoren und Unterstützer*innen des Bürgerbegehrens wünschen sich ebenso wie die Gemeinde neue Sportstätten, die auf der Höhe der Zeit sind. Umstritten ist lediglich das Wo? und das Wie? des Neubaus.

Worin unterscheidet sich die Forderung des Bürgerbegehrens von der Planung der Gemeinde?

Erstens wollen wir nicht ohne Not über 8000 Quadratmeter intakten Wald zerstören, sondern die Halle auf der bereits versiegelten Fläche des Schulcampus bauen. Dieser lockere Umgang mit der Natur ist nicht mehr zeitgemäß.
Zweitens wollen wir um Fläche zu sparen, die beiden Hallen übereinander statt nebeneinander bauen (“Stapelbauweise”). Ein entsprechender Entwurf des Architekturbüros Dietrich | Untertrifaller (“Variante Vertikal”) vom 24.1.2019 liegt dem Gemeinderat vor.

Sind Ihnen denn Haselmäuse und Fledermäuse wichtiger als die Gesundheit unserer Kinder?

Falsche Frage, denn die Gesundheit unserer Kinder hängt ganz eng mit dem Erhalt von Artenvielfalt und Klimastabilität zusammen. Wir haben hier die komfortable Situation, dass wir die benötigte Schwimm- und Sporthalle bauen können und gleichzeitig durch den Erhalt des Waldes unseren Beitrag zum Klima- und Artenschutz leisten. Damit diese Erde auch für unsere Kinder und Enkel noch gut bewohnbar bleibt. Diesem Ziel hat sich die Gemeinde Gräfelfing mit der Unterzeichnung der Klimaschutzerklärung des Landkreises 2017 verpflichtet. Wir wollen, dass das jetzt auch umgesetzt wird.

Ich habe gehört, dass der Schulwald in schlechtem Zustand ist und daher keinen echten Wert mehr hat. Stimmt das?

Nein. Unsere Wälder sind alle bereits durch Klimaeinflüsse beeinträchtigt. Daran ist aber nicht nur das Klima schuld, sondern auch die von den Forstverwaltungen jahrzehntelang favorisierten Monokulturen – bei uns typischerweise Fichten. Der Schulwald wurde nach dem Orkan Vivian 1990 gezielt ökologisch sinnvoll wieder aufgeforstet und hat sich so von einem reinen Fichtenwald zum Mischwald entwickelt. Dadurch ist er deutlich robuster und wertvoller als andere Forste rund um München.  Siehe auch https://www.rettet-den-schulwald.de/post/schulwald-stangerlwald

Wird die Schutzfunktion des Schulwaldes direkt an der A96 gegen Lärm, Feinstaub und Abgase durch die Teilrodung nicht eingeschränkt?

Bei der Genehmigung der heutigen A96, damaligen “B12 neu”, war es ein gewichtiges Argument, dass die Gemeindebebauung durch Wald von der Fahrbahn getrennt ist und daher die Anlieger auch dort, wo keine Untertunnelung besteht, geschützt sind. Aus diesem Grund hat die Gemeinde den Schulwald damals gekauft. Wo der Wald für die neue Halle gerodet wird, kann er diese wichtigen Schutzfunktionen nicht mehr erfüllen.

Fällt nicht der Schwimm- und Sportunterricht aus, wenn zuerst die alte Halle abgerissen werden muss bevor die neue gebaut wird?

Das muss nicht der Fall sein, denn wir fordern lediglich eine Planung der neuen Halle auf dem Schulcampus, die bisher nie eingeleitet wurde. Möglicherweise findet sich eine Lösung an anderer Stelle als dem Ort der alten Halle.
Wenn es diese Lösung nicht gibt, kann der Schwimm- und Sportunterricht für 2-3 Jahre nicht in gleichem Umfang auf dem Campus stattfinden. Trotz einiger Ausweichmöglichkeiten (z.B. neues Schwimmbad in Freiham) bleibt dies ein Nachteil. Dieser kurzfristige Nachteil ist abzuwägen mit dem dauerhaften Nachteil des Verlusts von wertvoller Waldfläche. Vor 30 Jahren hätte man sich sicher gegen den Erhalt des Waldes entschieden. Heute steht das Klima aber wegen der Untätigkeit der letzten 30 Jahre kurz vor unumkehrbaren Kipppunkten und wir müssen jetzt jede Gelegenheit, das Klima zu retten ergreifen.

Wenn es eine so gute Alternativlösung gibt, warum hat diese dann bei den Überlegungen des Gemeinderats keine Rolle gespielt?

Weil der Gemeinderat falsch informiert wurde. Von Anfang an wurde ein Standort auf dem Campus ausgeschlossen, weil dadurch die gesetzlich vorgeschriebene Pausenhof-Fläche pro Kind nicht mehr vorhanden sei. Deshalb stimmten zunächst auch die Grünen für den Standort im Wald. Erst 2019 konnte der Bund Naturschutz nachweisen, dass die Berechnung falsch war. Es bleibt auch bei einem Bau auf dem Campus weit mehr als die gesetzliche Mindestfläche an Pausenhof übrig. Außer Grünen, SPD und FDP wollte keiner die einzig logische Konsequenz aus diese neuen Erkenntnis ziehen: Den Standort neu zu untersuchen, um den Wald zu retten.

Die neue Halle ist doch schon geplant. Ist es jetzt nicht zu spät?

Nein. Es ist nie zu spät, einen Fehler zu korrigieren. Je länger man damit wartet, desto schwieriger und teurer wird das allerdings. Umweltbewusste Gemeinderäte plädieren schon seit einem Jahr dafür, neue Planungen aufzunehmen – ohne Erfolg. Zum Start des Bürgerbegehrens haben wir den Gemeinderat in einem offenen Brief aufgefordert, ein Moratorium einzulegen, um keine unnötigen Kosten zu verursachen – ohne Erfolg.

Kann man denn nicht die Bäume an anderer Stelle wieder anpflanzen (sogenannte Ausgleichsflächen)?

Hierzu muss man sich die vorgesehenen Ausgleichsflächen am Gockelberg und am Bolzplatz der Heitmeiersiedlung anschauen: Beide sind bereits unversiegelte Flächen. Das bedeutet, dass am Ende in der Summe mehr Boden versiegelt sein wird als vorher.
Die Flächen sollen durch Neubepflanzungen aufgewertet werden. Dazu muss man jedoch wissen, dass dort kein Ökosystem Wald entstehen kann, das jetzt geopfert wird, sondern lediglich Bäume und Buschwerk. Und selbst wenn es sich um echten Wald handeln würde, braucht dieser Jahrzehnte um wieder die gleiche Artenvielfalt und die gleichen Ausgleichsfunktionen zu erreichen wie der bestehende Wald. Haben wir so viel Zeit?

Praktische Hinweise zum Bürgerbegehren:

Wo kann ich unterschreiben?

Alle Bürger*innen, die für die Kommunalwahl wahlberechtigt sind, können auf einer offiziellen Unterschriftenliste unterschreiben. Diese wurden an alle Haushalte verteilt oder kann hier heruntergeladen werden (bitte Vorder- und Rückseite auf einem Blatt ausdrucken).
Sie können auch im Laden “Geschenketraume”, Bahnhhofstraße 100a direkt unterschrieben.

Wo kann ich unterschriebene Listen abgeben?

Einen Plan mit allen Abgabestellen finden Sie hier

Bis wann muss man die Listen abgeben?

Bitte geben Sie ausgefüllte Listen möglichst bald ab. Sobald wir die erforderlichen Unterschriften (9% aller Wahlberechtigten) gesammelt haben, können wir das Bürgerbegehren einreichen. Dann muss der Gemeinderat in seiner nächsten Sitzung den Termin für einen Bürgerentscheid festlegen und ab dann dürfen keine Gelder für die Planung der Halle mehr ausgegeben werden.